Buchtipp: Globus Dei

Globus Dei / © Kiepenheuer & Witsch

Globus Dei / © Kiepenheuer & Witsch

Klaus Bednarz fährt ans Ende der Welt nach Feuerland, Wolf von Lojewski spürt seinen Vorfahren in Masuren nach und Kollege Herbert Feuerstein bereist multimedial die Kontinente. Da wollte Komiker Helge Schneider nicht nachstehen. In „Globus Dei“ begibt sich der inzwischen über Fünfzigjährige auf eine fantastische Weltreise vom Nordpol bis nach Patagonien.

Helge Schneiders Werk ist ein Expeditionsroman. Seine fiktiven und skurrilen Reisen führen den Leser durch die Welt. Eine Welt, die einzig Schneiders Vorstellungskraft entsprungen ist, auch wenn der Meister selbst insistiert: „Kein Schriftsteller würde sich so etwas Dummes ausdenken können… alles stimmt, alles ist echt passiert!“ Zu Fuß, per Schiff oder auch mit dem Heißluftballon reist er kreuz und quer um den Globus mit Schreibmaschine und Eisbärenfell im Gepäck. Seine Reise führt ihn von Grönland über Russland und den Kaukasus nach Brasilien, Vietnam und New York bis er schließlich in Patagonien landet. Dabei kämpft der Komiker mit Polarfüchsen und Bären, muss sich lüsterner Inuit-Frauen und Belgierinnen erwehren oder trifft auf Günter Netzer, der als Ari ben Hulla Ibn Saud al Fatrhanmhuth in der algerischen Wüste inkognito als Spurensucher für deutsche Motorradtouristen arbeitet.

Dabei schreibt der Komiker wie er spricht. Dass der Komparativ, das Wort „als“ erfordert, vernachlässigt er gewohnt: „Günter Netzer war doch größer, wie ich dachte, aber kleiner wie ich“. Er brilliert mit Wortwitz, dem sich auch Schneider- Kritiker schwer entziehen können. Als genauer Beobachter verwertet Schneider sein Fachwissen, indem er findig immer wieder Realität und Fiktion mischt. Zum Beispiel, wenn der Autor sich Gedanken zur Umwelt macht. „War Spanien nicht ein wundervoll bewaldetes Land? Mit mannigfaltiger Kultur und vielen, vielen Vogelarten? Heute ist fast ganz Spanien Wüste, wegen der vielen Schiffe, die im Mittelalter und danach gebaut wurden, um die Welt zu erobern. Hat ja auch geklappt, aber hätte man nicht auch Heißluftballons nehmen können?“

Lustig, komisch und grotesk sind seine fantastischen Ausflüge, mit einigen Längen im zweiten Teil. Nicht zuletzt die im Buch abgedruckten Bilder samt Unterschriften, lassen am genialen Witz des Komikers keinen Zweifel mehr aufkommen. Wer sich auf seinen Humor einlässt, wird sich ob dieser scherzhaft-philosophischen Ausschweife köstlich amüsieren. Ein Roman, der anregen soll, Reisen mit dem Kopf zu unternehmen und dabei ein Bild von der Welt zu bekommen, ohne Hamburg, München oder eben Mülheim – die Heimat des Komikers – verlassen haben zu müssen.


Fazit:

Ein Buch, das Schneider-Fans an einem Tag verschlingen und selbst Kritiker zum Schmunzeln bringen wird. „Globus Dei – die Bibel für den echten Reiseprofi“ – so steht es im Einband. Sicher nicht. Aber allemal ein guter Tipp für Globetrotter, sich dem Thema Reisen einmal anders zu nähern.

Helge Schneider
Globus Dei – Vom Nordpol bis Patagonien
Ein Expeditionsroman
Kiepenheuer & Witsch
125 Seiten
Preis:  6,90 Euro
ISBN: 3-462-03474-X

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(mk)

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