Grandhotel Pupp in Karlsbad

von Melanie Kiel

Reisetipp Karlsbad: Fassade des Grandhotels Pupp

Eindrucksvolle Fassade des Pupp © M.Kiel

Karlsbad ist ein Kurort mit langer Tradition. Durch den Ort bahnt sich das Flüsschen Teplá den Weg. An den Ufern reihen sich pastellfarbene Bürgerhäuser aneinander, deren aufwendig verzierten Fassaden um die Gunst des Betrachters wetteifern.

Am Fuße der Freundschaftshöhe, dort, wo die Teplá einen großen Bogen macht, sticht ein besonders prächtiges Gebäudeensemble ins Auge: das Grandhotel Pupp. Seit seiner Eröffnung Mitte des 18. Jahrhunderts gehört das Pupp zu den schönsten Häusern Europas. Das Traditionshotel, in dem Kaiser, Könige und Künstler logierten, hat stürmische Zeiten erlebt und im Laufe der Jahre immer wieder sein Gesicht verändert. Geadelte Betten im Test.

Das Hotel macht sich einen Namen

„Ein Hotel soll entstehen, so groß, dass Wallenstein und seine Truppe hineinpassten“, lautete einst der kühne Plan des zugereisten Zuckerbäckers Johann Georg Pupp. 100 Jahre zuvor während des Dreißigjährigen Krieges hatten der Feldherr und 900 seiner Männer Karlsbad besetzt. Ein Ereignis, das die Stadt lange Zeit prägte. Mitte des 18. Jahrhunderts kaufte Pupp den Böhmischen Saal, ein ehemaliges Veranstaltungshaus, auf einer Wiese an der Teplá-Biegung und machte daraus ein Nobelhotel. Er ließ zwölf Reihen Linden vor das Gebäude pflanzen, die 150 Jahre lang zu den Attraktionen Karlsbads gehörten. Hotelgäste wie Goethe oder Schiller haben immer wieder von den „Pupp’schen Alleen“ geschwärmt.

Der Architekt Le Corbusier bezeichnete Karlsbad einst als „einen Treff von Torten“. Und das Sahnestück war das Grandhotel Pupp. Denn das cremefarbene Gebäude-Ensemble im sprichwörtlichen Zuckerbäckerstil avancierte in kürzester Zeit nicht nur zum optischen Highlight der Stadt. Hier wurden auch modernste Ausstattung und bester Service geboten. Wer etwas auf sich hielt, logierte im Pupp.

Goethe, Schiller und KP

Vor allem Adelige, aber auch Literaten und Komponisten residierten im Grandhotel. Das Familienunternehmen entwickelte sich erfolgreich, so dass im Laufe der Zeit weitere angrenzende Gebäude dazugekauft wurden. 1883 kam auch das benachbarte Parkhotel dazu, das heute die Vier-Sterne-Dependance des Pupp beherbergt. Die Glanzzeit dauert bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs. Nach 1945 steht das Grandhotel unter russischer Armeeverwaltung. Fortan erholen sich hohe Offiziere in dem umbenannten „Grandhotel Moskva“. Wenngleich das Hotel seinen guten Ruf behielt, ging die kommunistische Ära nicht spurlos an ihm vorüber. Umbauten wurden vorgenommen, die berühmten Alleen abgeholzt und durch einen Asphaltparkplatz ersetzt. Mit dem politischen Umschwung 1989 bekam das Hotel seinen Namen zurück und auch die Bausünden der Vorjahre wurden in kürzester Zeit beseitigt.

Die Marktkolonnade / © M.KielHotel-Ansichten

Der Blick aus den Fenstern geht über die Teplá-Biegung, bunte Bürgerhäuser und die grünen Hügel Karlsbads. Die 59 Kastanien auf dem kahlen Parkplatz vor dem Hotel sind noch niedrig und dünn. Hier, an der Stelle wo einst dichte Alleen aus Linden standen, soll eine der letzten Pupp`schen Attraktionen wiedererstehen, für die das Haus einst Berühmtheit erlangte.

Das Grandhotel erstrahlt längst wieder in altem Glanz. Kleine gusseiserne Balkone, weiße Stuckverzierungen, angedeutete Säulen und verschnörkelter Fensterrahmungen zieren die Fassade. Eckbauten werden von kleinen Türmchen bekrönt und selbst die grüngoldenen Müllbehälter mit Pupp-Emblem vor dem Hotel scheinen aus längst vergangenen Zeiten zu stammen.

Damen in Pelz und lässige Amerikaner

Auf den Parkplätzen ein gemischtes Bild – vom VW Golf über Porsche Cayenne bis zu Jaguar und Maserati ist alles an Automarken vertreten. Die vielen Pelzgeschäfte auf der Promenade vor dem Hotel werden mehr und mehr von bekannten europäischen Designerläden verdrängt. Bepelzte Damen gehen im Hotel ebenso ein und aus, wie lässig-elegante Golfer-Ehepaare in rosa Poloshirts aus dem deutschsprachigen Raum, leger gekleidete Amerikaner mit böhmischem Stammbaum oder verschleierte Damen aus arabischen Ländern.

Wie für ein Nobelhotel üblich, begrüßt auch vor dem schmalen Eingang des Pupp ein Doorman in grauer Livree die Ankommenden. Eine Rampe oder drei Stufen sind zu nehmen, dann geht es hinein. Bei besonderen Gästen oder Hochzeiten wird selbstverständlich der grellrote Teppich ausgerollt.

Geadelte Betten – In den Zimmern und Suiten

Das „Pupp Journal“ liegt schon im Zimmer bereit. Auf der TV-Kommode die Minibar-Karte. Darüber ein Körbchen mit Karlsbader Oblaten, Badesalzen und Kurbecher mit Pupp-Logo – alles zum Kauf versteht sich. Die Zimmer sind unterschiedlich tapeziert und möbliert: Von der Pseudo-Biedermeier-Sitzecke bis zum fünfziger Jahre Sessel ist jede Stilrichtung vertreten. Und während den einen Raum unruhige pastellene Blumentapeten, rosafarbener Teppich und rothölzerne Möbel bestücken, fügen sich andere mit hellen Wänden, schlicht-eleganten Tagesdecken, passenden Gardinen und dunklen Möbeln zu einem stilvollen Gesamtbild zusammen.

Die Bäder sind hell gefliest, mit marmornen Waschtischen und schlicht weiß eingefassten Waschbecken, WC und Bidet. Auch hier wird Wert aufs Detail gelegt: Badkosmetik im Pupp-Design stehen ebenso bereit wie parfümierte Trockenblumen in einer Glasschale, Zahnputzbecher, flauschige Handtücher und Badvorleger mit Pupp-Aufdruck. Auf den ersten Blick neu und nobel. Doch genau hier bekommt die Fassade der perfekten Luxus-Welt einen Kratzer: Fliesen sind rissig, Fugen zum Teil verspakt. Sind das die Zimmer, in denen Filmstars wie Gregory Peck, Morgan Freeman und Michael Douglas oder Könige wie Juan Carlos und König Harald von Norwegen wohnten? Sicher nicht.

Die Kaisersuite

Prominente jeglicher Couleur residieren in der berühmtesten Suite des Pupp: der Franz Josef Suite. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts besuchte der österreichische Kaiser das Grandhotel. Seither wurde sein Appartement Kaisersuite genannt. Sie besteht aus zwei schlichten, wenn auch großen Zimmern mit dunkelgrünen Samtvorhängen und einer Sitzecke im Stil der fünfziger Jahre. Zwischen den historischen Impressionen aus Karlsbad hängt ein Porträt Kaiser Franz Josefs an der Wand. Das schwarze alte Telefon könnte er schon selbst benutzt haben.

Prunkstück des Appartements ist das original erhaltene Kaiserbadezimmer. In der Mitte des Raums befindet sich die freistehende Marmorbadewanne. Goldene Wasserhähne sucht man hier vergebens. Dafür wurde der Deckenstuck vergoldet. Die Wände sind hellgrau gekachelt. Über der Marmorkonsole mit Marmorwaschbecken schmückt ein reich verzierter Spiegel die Wand. Toilette und Bidet sind der Hingucker – sie befinden sich in einem überdachten Separee aus Milchglas und weiß gestrichenem Holz. Für amerikanische Gäste wird die Kaisersuite übrigens in Imperial Suite umbenannt.

Adresse:

Grandhotel Pupp
Mírové námstí 23
60 91 Karlovy Vary
Tschechische Republik


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